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Flüchtlingshilfe Lesbos

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FLÜCHTLINGSHILFE LESBOS 
 
Liebe Freunde,  
Αγαπητοί μου φίλοι,  
ich hoffe, es geht Euch allen gut! Womöglich sind die meisten von Euch in 
der Planung für die Sommerferien. Womöglich geht es (wieder) nach 
Griechenland. Die Zukunft dieses Landes, das uns so am Herzen liegt, 
beschäftigt uns so gut wie täglich.  
Heute möchte ich über ein Thema berichten, das in der ganzen Diskussion 
um die wirtschaftliche Zukunft Griechenlands, völlig untergeht und das wir 
in unserer medial geprägten Wahrnehmung eher mit Italien in Verbindung 
bringen: Die Flüchtlingssituation in Griechenland, insbesondere auf den 
ostägäischen Inseln.  
Seit vielen Jahren reise ich über Pfingsten nach Griechenland zu einer 
Tagung der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht beim Deutschen 
Anwaltverein. Dieses Jahr ging die Reise nach Mytilini (wie die Insel 
Lesbos in Griechenland genannt wird). Die Insel liegt unmittelbar vor dem 
türkischen Festland mit einer Entfernung von gerade einmal ca. 10 km an 
der engsten Stelle.  
Rein von seiner geographischen Lage ist Lesbos – wie auch die 
Nachbarinseln Limnos, Samos, Kos und auch Rhodos – geradezu 
prädestiniert für eine Einreise über die Seegrenze von der Türkei nach 
Griechenland und somit in die Europäische Union. Seit das Wetter ruhig 
und die Temperaturen moderat sind, also seit etwa Mitte Mai kommen 
täglich Hunderte von Bootsflüchtlingen über die Meerenge nach Lesbos 
und suchen in den Küstenstädten und Dörfern Schutz und Hilfe.  
Derzeit kommen im Wesentlichen Flüchtlinge aus den Krisenländern des 
Nahen und Mittleren Ostens über den Seeweg nach Lesbos, im 
Wesentlichen Menschen aus Afghanistan, Irak, Iran, Pakistan, Syrien, 
Jemen. Es sollen bereits die ersten Flüchtlinge aus der Erdbebenregion 
Nepals in Griechenland gestrandet sein. Weitere Herkunftsländer sind 
Äthiopien, Somalia und Eritrea.  
Seit Ende Januar 2015 wurden die Ausgaben für den griechischen 
Grenzschutz krisenbedingt durch die neu gewählte Linksregierung von 
Premier Tsipras nochmals drastisch gekürzt. Gleichzeitig wurde die bis 
dato praktizierte „push-back“-Strategie aufgegeben und damit die 
umstrittene europäische Politik der „effektiven“ Sicherung der 
Außengrenzen aufgegeben. Faktisch findet somit derzeit kein Grenzschutz 
an der griechisch-türkischen Meergrenze statt.  
Die Aufgaben der Grenzschutz- und Hafenpolizeibehörden auf Lesbos 
beschränken sich derzeit auf die Bereiche Registrierung und Koordination 
der Flüchtlingsströme, d.h. Transfer der Menschen in die Hauptstadt 
Mytilini zur Überfahrt mit Fähren auf das Festland nach Athen. Allein für 
die Hunderte von täglich anstrandenden Flüchtlinge in der Region um 
Molyvos im Norden der Insel sind gerade einmal vier Beamtinnen und 
Beamte der Hafenpolizei (gleichzeitig Küstenwache) zuständig.  
Hinzu kommen nach wie vor nächtliche Seenotrettungseinsätze. Denn 
immer noch kommen die mit meist 30 bis 40 Personen voll- bis 
überbesetzten Schlauchboote mit dem „Marschbefehl“ an die griechische 
Küste, sich bei Ankunft in Seenot zu bringen, damit die Küstenwache das 
Boot nicht wieder zurück in türkische Gewässer drängt. Weder die 
Flüchtlinge, noch die Schlepper scheinen zu wissen, dass die „push-back“-
Politik nicht mehr praktiziert wird. Nicht selten kommt es zu dramatischen 
Rettungsaktionen durch die griechische Küstenwache, die erst Mitte Mai 
2015 einige Flüchtlinge, darunter einen zweijährigen Jungen aus Syrien 
wiederbeleben konnten.  
Am Morgen säumen Schwimmwesten und zerstochene Schlauchboote die 
Strände um Molyvos und geben Zeugnis nächtlicher Tragödien ab.  
Stranden die Flüchtlinge an den nördlichen Stränden beispielsweise von 
Efthalou oder Skala Sykamenia schleppen sie sich in die umliegenden 
Dörfer nach Molyvos oder nach Sykamenia und suchen nach Hilfe in Form 
von Essen und Wasser und trocknen ihr durchnässtes Hab und Gut an den 
Hafenmauern von Molyvos. Nicht selten sind die Menschen erschöpft, 
dehydriert, ausgehungert und haben oft ihre letzten Ersparnisse für die 
Überfahrt nach Lesbos an die Schleuser bezahlt. Die Hilfsbereitschaft der 
einheimischen Bevölkerung, aber auch von Urlaubern ist angesichts der 
sichtbaren Not der Menschen groß, vor allem wenn ganze Familien zum 
Teil mit Säuglingen oder Greisen unter den Flüchtenden sind.  
Schnell organisierte sich in Molyvos eine private Initiative zur 
Erstversorgung der Flüchtlinge mit Wasser, Broten, Zwieback, Keksen, 
aber auch Decken, Kleidung und Windeln. Die ehrenamtlichen Helfer, 
unter Ihnen Reinhild Redtke-Girgenrath aus NRW, die auf Lesbos lebt, 
Erasmia Grigorelli, die Hafenpolizistin und die Eheleute Louisa und Gavriil 
Sgouridis, um nur einige zu nennen, kümmern sich um die Erstversorgung 
für die Flüchtlinge, aber auch um die Schaffung von Schattenplätzen zur 
Erholung. So wurde Brachland in Hafennähe angemietet, mit Planen 
versehen, die Schatten spenden und Zelte zur vorübergehenden 
Unterbringung der Flüchtlinge aufgebaut. Hinzu kommen 
Hygienemaßnahmen für Helfer, Flüchtlinge, aber auch für die Beamten der 
Küstenwache. Koordiniert werden die Hilfsmaßnahmen telefonisch aber 
auch über facebook (#Help for refugees in Molyvos#).  
Während meines Aufenthalts in und um Molyvos, im Norden von Lesbos, 
konnte ich die Flüchtlingsinitiative, die sich erst vor kurzem gegründet 
hatte, genau kennenlernen. Bezeichnend ist, dass die Federführung in der 
Hand von überaus engagierten Frauen liegt, allen voran, Reinhild Redtke-
Girgenrath, von allen „Rena“ genannt, die die Finanzen verwaltet. 
Daneben die Beamtin Erasmia Grigorelli.  
Die Initiatoren kümmern sich um die Erstversorgung der Flüchtlinge und 
versuchen, die Menschen in der Region zentral „unterzubringen“, wobei 
Unterbringung mangels Ressourcen auf die bereits erwähnten 
Schattenplätze beschränkt ist. Derzeit wird versucht, über die 
Inselverwaltung die Nutzung eines stillgelegten Campingplatzes zu 
erreichen.  
Die Arbeit der Flüchtlingsinitiative war trotz der recht beschränkten Mittel 
dank privater Spenden, zum Teil auch aus Deutschland, äußerst effektiv. 
Davon konnte ich mir persönlich ein Bild machen. Mittlerweile konnten mit 
Spenden zwei mobile Toilettenkabinen angeschafft werden. Die Initiative 
hat mittlerweile Brachland am Ortsrand angemietet und mit Schatten, 
Zelten, Betten und Waschmöglichkeiten versehen. Von dort muss der 
Transfer nach Mytilini organisiert werden. Aufgrund der leeren 
Haushaltskassen kann der einzige offizielle Bus, der Flüchtlinge nach 
Mytilini transportieren darf, nicht ständig nachbetankt werden, sodass die 
Initiative zum Teil Diesel für den Bustransfer spendet. 
 
Auch die übrigen Teilnehmer der Tagung auf Lesbos, ca. 60 Fachanwälte 
für Familienrecht aus Deutschland, waren von der Arbeit der Initiative vor 
Ort so beeindruckt, dass im Rahmen einer spontan initiierten 
Spendenaktion insgesamt 3.130,00 EUR gesammelt und den Initiatoren 
im Rahmen eines gemeinsamen Abendessens mit allen Teilnehmern 
übergeben wurden.  
Es wurde weitere Spendenbereitschaft signalisiert, die jetzt „professionell“ 
organisiert werden soll und zwar über den gemeinnützigen Verein 
„Deutsch-Griechische Gesellschaft Tübingen-Reutlingen e.V.“, dessen 
Vorsitzender ich bin.  
Ich hatte die Idee, eine breit angelegte Spendenaktion zu initiieren unter 
dem Stichwort „Flüchtlingshilfe Lesbos“ mit dem Ziel, die aktuell 
entstehenden Initiativen zur Flüchtlingshilfe auf der Insel Lesbos zu 
unterstützen und zu koordinieren. Der griechische Staat ist aus den 
bekannten Gründen nicht in der Lage, die Basis-Versorgung der 
Flüchtlinge zu gewährleisten. Diese humanitäre Verpflichtung wird derzeit 
im Wesentlichen von privaten übernommen. Ziel ist, die Hilfsgruppen auf 
der Insel zu koordinieren und vernetzen.  
Die Deutsch-Griechische Gesellschaft Tübingen-Reutlingen e.V. erstellt 
den Spendern auf Wunsch eine Spendenbescheinigung.  
Spenden für die Flüchtlingshilfe auf Lesbos können an die 
Deutsch-Griechische Gesellschaft Tübingen-Reutlingen e.V. 
getätigt werden unter folgender Bankverbindung:  
Konto-Nr. 1626627  
BLZ 64150020 (Kreissparkasse Tübingen)  
IBAN DE33 6415 0020 0001 6266 27  
Stichwort: „Flüchtlingshilfe Lesbos“  
Des Weiteren ist beabsichtigt, in regelmäßigen Abständen über die 
Homepage des Deutsch-Griechischen Gesellschaft Tübingen-Reutlingen 
e.V. über die Arbeit der Flüchtlingsinitiative vor Ort zu informieren. 
Weitere Informationen können über facebook (#helf for refugees in 
Molyvos#) abgerufen werden.  
 
Vor wenigen Tagen wurde mir von der  Hafenpolizei in Lesbos berichtet, 
dass zum 30.06.2015 Griechenland im laufenden Jahr 2015 inzwischen 
mehr Flüchtlinge registriert hat, als Italien und somit Spitzenreiter in 
Europa ist, gefolgt von Italien. Diese Entwicklung bestätigt die 
Einschätzung der Offiziellen vor Ort, dass sich die Fluchtwege im Laufe der 
Zeit verlagern könnten auf den Seeweg zwischen dem türkischen Festland 
und den ostägäischen griechischen Inseln. 
Innerhalb der ostägäischen Inseln ist Lesbos die Anlaufstelle Nr. 1. Derzeit 
kommen täglich ca. 1000 (in Worten: eintausend!) Flüchtlinge nur nach 
Lesbos und warten dort auf die Registrierung und den Transfer auf das 
griechische Festland. 
Flüchtlingshilfe vor Ort durch freiwillige Helfer aus Deutschland  
Neben der Notwendigkeit von Geld- und Sachspenden wurde bei meinen 
Gesprächen vor Ort schnell klar, dass händeringend „Arbeitskräfte“ 
gesucht werden. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Flüchtlingsinitiative 
sind selbst darauf angewiesen, in der Hochsaison von Mai bis September 
die Erträge und Einkünfte für das gesamte Jahr zu erwirtschaften. Vor 
allem junge Menschen, die sich im Bereich der humanitären 
Flüchtlingshilfe engagieren möchten, werden benötigt, um die Versorgung 
und Organisation vor Ort, vor allem in den frühen Morgenstunden zu 
bewerkstelligen.  
Ich habe nunmehr ein Projekt initiiert, das junge Menschen (im Alter 
zwischen 18 und ca. 23 Jahren) sucht, die bereit sind, jeweils zu viert vor 
Ort ihre Arbeitskraft zur Unterstützung der Flüchtlingsinitiative zur 
Verfügung zu stellen.  
Die Kosten für Flüge, Kost und Logis werden über Spendengelder von der 
Deutsch-Griechischen Gesellschaft Tübingen-Reutlingen e.V. finanziert. 
Unterkunft und Verpflegung sind bereits organisiert und sichergestellt.  
Diese Form der Vor-Ort-Hilfe könnte beispielhaft sein und Ansporn für 
weitere Jugendliche, sich ebenfalls bereit zu erklären, sich für 1 Monat vor 
Ort humanitär zu engagieren. Sollte dieser „Versuchsballon“ erfolgreich 
starten, kann dies zu einem Vorzeigeprojekt werden, das sicherlich im 
Rahmen des sich noch im Aufbau befindlichen Deutsch-Griechischen 
Jugendwerks seine institutionelle Verankerung finden kann.  
Wie läuft der „Arbeitseinsatz“ konkret ab?  
Pro Einsatz werden vier junge Menschen (im Alter zwischen 18 und ca. 23 
Jahren) für die Dauer von möglichst 4 Wochen nach Lesbos in den 
Hafenort Molyvos (im Norden der Insel) geschickt.  
Frühester Beginn für die erste Gruppe: Anfang / Mitte August 2015  
Unterbringung vor Ort in einer 2-Zimmer Ferienwohnung.  
Verpflegung in Form von 3 Mahlzeiten am Tag wird von den örtlichen 
Hafenkneipen gestellt.  
Transfer vom Flughafen Mytilini nach Molyvos wird privat organisiert 
(Abholung durch Mitglieder der Flüchtlingsinitiative vor Ort).  
 
 
Was benötigen die Interessenten?  
Ein gesundes Maß an sozialem Engagement, keine Berührungsängste mit 
Menschen aus anderen Kulturkreisen und anderer Religion, Improvisation 
und Offenheit für eine komplett neue Erfahrung.  
Die Hauptarbeit wird regelmäßig in den frühen Morgenstunden bis zum 
späten Vormittag / Mittag zu erledigen sein, da die Flüchtlinge 
ausschließlich nachts die Überfahrt vom türkischen Festland nach Lesbos 
wagen.  
Kommunikation in Deutsch und Englisch ist sowohl mit den Helfern vor Ort 
problemlos möglich. Die meisten Flüchtlinge sprechen ebenfalls 
rudimentär Englisch oder auch Französisch.  
Da es sich um einen freiwilligen und ehrenamtlichen „Einsatz“ handelt, 
muss der Krankenversicherungsschutz für jeden Teilnehmer selbst 
sichergestellt werden, evtl. sollte man sich da um eine Zusatz-
Auslandskrankenversicherung kümmern.  
Sollte sich nunmehr jemand persönlich angesprochen fühlen und konkret 
Interesse haben, vier Wochen seiner Sommerferien oder Semesterferien 
oder seiner sonstigen Freizeit für einen humanitären Einsatz auf einer der 
schönsten griechischen Urlaubsinseln zu „opfern“, dann bitte ich um 
zeitnahe Rückmeldung mit Namen, Geburtsdatum, Kontaktdaten und des 
konkreten Zeitrahmens und Zeitraums, in dem man zur Verfügung steht.  
Für weitere Fragen oder Anregungen stehe ich gerne zur Verfügung unter 
Balomatis ÄT neckartor.de  
Bitte senden Sie diese e-mail an mögliche Interessierte aus Eurem 
Bekannten- und Verwandtenkreis weiter.  
Mit herzlichen Grüßen  
Ihr / Euer  
Argiris Balomatis